Grünen-Politiker: Papst muss sich äußern

Geschrieben am 17. Februar 2010. Einsortiert unter: Aktuelle Nachrichten | Tags:, , |

Bischöfe beim Gottesdienst im Dom zu Fulda. Quelle: ap
ap

Grünen-Politiker: Papst muss sich äußern

Kirchenvolksbewegung sieht Sexuelle Revolution nicht als Auslöser

Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ wirft dem Augsburger Bischof Walter Mixa Verantwortungslosigkeit vor. Er hatte die Sexuelle Revolution für die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche mitverantwortlich gemacht.

Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck sagte dem „Tagesspiegel“, das Problem der katholischen Kirche sei viel älter als die sexuelle Befreiung. Ursächlich für die Vorfälle sei eher die „systematische Unterdrückung von Sexualität“; die Thesen Mixas seien deshalb „historisch absurd“.

Außerdem verlangte Beck nach den Äußerungen des Papstes zu den Missbrauchsfällen in Irland auch eine Erklärung Benedikts XVI. zu den Vorfällen an deutschen Jesuitenschulen. „Die weltweiten Skandale haben etwas Systematisches an sich. Der Papst muss dafür sorgen, dass das Thema in allen Teilen der Welt zum Thema gemacht wird. Das ist das Mindeste, was die Opfer erwarten können“, sagte Beck. „Überfällig“ sei zudem eine Entschuldigung für die Vorfälle.

Kirchenvolksbewegung kritisiert

Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ bezeichnete die Aussagen als verantwortungslos. Mixa hatte die sexuelle Revolution der vergangenen Jahrzehnte für die Missbrauchsfälle mitverantwortlich gemacht. Sexuelle Gewalt gegen Kinder auch in Internaten habe es „lange vor der sexuellen Revolution gegeben“, sagte Christian Weisner von „Wir sind Kirche“ der „Frankfurter Rundschau“. Offenbar sei dem Bischof die „Dimension des Problems nicht klar“.

Bernd Göhrig von der Initiative „Kirche von unten“ sagte der Zeitung, der Bischof sei „persönlich überfordert“ mit dem Thema und sprach von einer „Krise des Führungspersonals“ in der katholischen Kirche. Er warnte die in der nächsten Woche tagende Bischofskonferenz vor nur kosmetischen Beschlüssen: Es dürfe nun nicht darum gehen, das Ansehen der Kirche zu retten. Die Bischöfe müssten sich mit der Frage beschäftigen, „wie die Strukturen der Kirche diese Verbrechen begünstigen“.

Mixa hatte in einem Interview zu den Missbrauchsfällen erklärt: „Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig.“

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