Papst lässt Orden der Legionäre Christi reformieren
Missbrauchsvorwürfe
Papst lässt Orden der Legionäre Christi reformieren

Papst Benedikt XVI.: Ordensmitgliedern auf dem Weg der Reinigung beistehen
Papst Benedikt XVI. schickt einen Gesandten nach Mexiko, um die konservative Glaubensgemeinschaft der Legionäre Christi zu reformieren.Deren Ordensgründer wird verdächtigt, sich an Minderjährigen vergangen zu haben – zudem soll er mehrere Kinder gezeugt haben.
Rom – Papst Benedikt XVI. will die Ordensgemeinschaft Legionäre Christi reformieren. Er werde dazu einen Gesandten als Übergangsleiter ernennen und eine Kommission einsetzen, teilte der Vatikan am Samstag mit.
Der Papst werde den Ordensmitgliedern “auf dem Weg der Reinigung” beistehen und sie nicht alleinlassen, hieß es am Samstag in einer Mitteilung des Vatikans. Das, was gut sei, solle erhalten werden. Benedikt hatte am Freitag fünf Bischöfe empfangen, die den Skandal um sexuellen Missbrauch durch den Ordensgründer der Legionäre Christi untersuchen. Seit Sommer vergangenen Jahres hätten die Bischöfe mit mehr als tausend Ordensmitgliedern gesprochen, teilte der Vatikan mit.
Hintergrund sind Missbrauchsvorwürfe gegen den konservativen Orden.Der inzwischen verstorbene Gründer und frühere Leiter des Ordens, der Mexikaner Marcial Maciel, soll Seminaristen sexuell missbraucht und außerdem mindestens ein Kind gezeugt haben, obwohl er öffentlich für den Zölibat eintrat. Der Vatikan hatte deshalb die achtmonatige Untersuchung angeordnet, eine sogenannte Apostolische Visitation.
Doppelleben ohne Skrupel
Maciel habe ein Machtsystem errichtet, das es ihm erlaubt habe, ein Doppelleben “ohne Skrupel und echte religiöse Gefühle” zu führen, erklärte der Vatikan. Dadurch sei es ihm möglich gewesen, junge Menschen zu missbrauchen. Maciel wurde im Jahr 2006 vom Vatikan gemaßregelt und angewiesen, sich aus dem pastoralen Dienst zurückzuziehen und ein “Leben des Gebets und der Buße” zu führen. Er starb 2008 im Alter von 87 Jahren.
Nach seinem Tod wurde bekannt, dass er Vater einer Tochter ist. Später meldete sich noch eine Mexikanerin, die sagte, sie habe eine langjährige Beziehung mit Maciel geführt, aus der zwei Söhne hervorgegangen seien. Ein dritter Junge sei von ihm adoptiert worden. Maciel habe zwei seiner Kinder missbraucht.
Der Orden ist in 22 Ländern aktiv, vor allem in Mexiko und Spanien. Nach eigenen Angaben zählt die katholische Gemeinschaft 800 Priester und 70.000 Laienmitglieder. In Trägerschaft des Ordens befinden sich zudem zwölf Universitäten.
Die katholische Kirche in Mexiko hatte sich vor zwei Wochen für den Missbrauch von Kindern durch Geistliche entschuldigt. Sie sagte außerdem eine Zusammenarbeit mit den Behörden bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen zu.
Weltweit erschüttern derzeit Fälle sexuellen Missbrauchs durch Geistliche die katholische Kirche. Dabei steht der Vatikan in der Kritik, Missbrauchsfälle über Jahrzehnte vertuscht zu haben.



