Kardinal Lehmann begrüßt Absetzung Mixas
Artikel
von Spiegelonline.de,08.05.10
Papst-Entscheidung
Der Papst hat Walter Mixas Rücktrittsgesuch als Bischof von Augsburg angenommen, unüblich schnell für katholische Verhältnisse. Der frühere Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Lehmann ist erleichtert – und gesteht, schon früher von Gerüchten über Mixas Lebenswandel gehört zu haben.
Freiburg/Augsburg/Würzburg – Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann hat diezügige Absetzung des Augsburger Bischofs Walter Mixa durch den Papst begrüßt. “So etwas habe ich in 27 Jahren noch nicht erlebt”, sagte Lehmann im “heute journal” des ZDF. Es gebe leider immer wieder Menschen, die ihren Aufgaben in der Kirche nicht genügten. “Es bleibt eine erhebliche Verletzung des Vertrauens”, sagte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
Auf die Frage, ob schon die Berufung Mixas zum Bischof ein Fehler gewesen sei, wies der Kardinal eine Verantwortung der Bischofskonferenz zurück. “Da ist unmittelbar der Papst über den Apostolischen Nuntius zuständig, und da wird es schwer, das bis ins Einzelne zu kontrollieren”. Er selbst müsse gestehen, von Gerüchten über Mixas Lebenswandel gehört zu haben, aber “die waren in Teilen so unbestimmt und verunglimpfend, dass ich mir selbst kein Bild machen konnte.”
Den im SPIEGEL geäußerten Vorschlag des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick, denPflichtzölibat für Weltpriester abzuschaffen, bezeichnete der Kardinal als bedenkenswert. Allerdings sei dies der falsche Zeitpunkt für eine derartige Debatte. Im Moment werde zu vieles in der Diskussion über die Kirche miteinander vermischt.
Zunächst müssten alle Vorwürfe gegen Walter Mixa geklärt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt seien diese Fragen zu bedenken. “Dann sollte man vor nichts Angst haben.” Auf die Frage, ob Benedikt XVI. willens sei, über das Thema Zölibat nachzudenken, antwortete Lehmann: “Ich glaube, dass er längst nachdenkt.”
Der Papst hat den Rücktritt Mixas als Augsburger Bischof und Militärbischof angenommen unter Verweis auf einen Paragrafen des kanonischen Rechts, der den Ruhestand wegen Krankheit oder “anderer schwerwiegender Gründe” vorsieht.
Es ist der vorläufige Endpunkt einer Affäre, die sich über Monate hinzog. Mixa musste in dieser Zeit einräumen, dass er möglicherweise als Stadtpfarrer in Schrobenhausen doch Heimkinder geschlagen hat – obwohl er derartiges zuvor kategorisch ausgeschlossen hatte. Dann geriet sein Finanzgebahren ins Zwielicht, und inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Vorermittlungen wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs gegen Mixa eingeleitet. Der Bischof hatte am 21. April die Konsequenzen gezogen und im Vatikan um seine Entlassung gebeten.
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Bischof Hofmann: “Schmerzhafte Angelegenheit”
Der Augsburger Generalvikar Karlheinz Knebel sagte, über die Zukunft von Mixa könne “erst nach Prüfung und Klärung der gegen ihn in letzter Zeit erhobenen Anschuldigungen” entschieden werden. Zugleich rief Knebel Gläubige, Priester und alle Mitarbeiter auf, “in dieser schwierigen Zeit” die Einheit der Kirche zu wahren: “Wir sind an einem Neuanfang, den wir gemeinsam versuchen müssen.”
Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat sich bei Papst Benedikt XVI. für die Annahme von Mixas Rücktrittsgesuch bedankt. “Die zügige Entscheidung des Papstes schafft die notwendige Klarheit”, sagte Zollitsch am Samstag in Freiburg. Sie gebe allen Beteiligten die Chance zum Neuanfang.
“Die Vorgänge der letzten Zeit haben das gesamte Bistum Augsburg und auch die katholische Kirche in Deutschland sehr belastet”, sagte der Freiburger Erzbischof. Der Verlust der Glaubwürdigkeit wiege schwer. Umso wichtiger sei es, den eingeschlagenen Weg der Erneuerung fortzusetzen. Zollitsch dankte außerdem Mixa “für die Impulse, die er als Priester und Bischof gegeben hat”. Er wünsche ihm für die Zukunft “Gottes stärkende Nähe und Hilfe”.




